In unmittelbarer Nähe zum besetzten Gelände steht auch eine Produktionsanlage der norwegischen Firma YARA, dem zweitgrößten Kunstdünger-Konzern weltweit und dem größten Abnehmer für Erdgas in Europa. Grund genug also, da einmal genauer hinzuschauen.

YARA vertreibt verschiedene stickstoffbasierte Chemikalien und Kunstdünger (YaraBela, AdBlue, Ammonium etc.), deren Produktion enorm viel Energie verbraucht – daher der hohe Erdgasbedarf von YARA. Dabei sind nicht nur die Auswirkungen der Erdgasverbrennung für unser Klima katastrophal, sondern auch die Folgen des immensen Kunstdüngereinsatzes in der industriellen Landwirtschaft sind fatal: Die Böden werden zerstört, wobei zusätzlich Treibhausgase freigesetzt werden, das Grundwasser wird verseucht und zu allem Überfluss müssen bei den zunehmend zerstörten Böden jedes Jahr noch mehr Kunstdünger eingesetzt werden, um auf dem schonungslosen Markt überhaupt bestehen zu können. Landwirt*innen überall auf der Welt geraten unter dem Konkurrenzdruck so in eine Abhängigkeit von Kunstdüngern, wie sie YARA herstellt – Ein Teufelskreis, der die Zerstörung unseres Planeten vorantreibt.

In Brunsbüttel produziert YARA vor allem Ammoniak und Harnstoff, die für die Produktion von Kunstdüngern benötigt werden, und den Kraftstoffzusatz AdBlue. Die Anlage war im September 2019 das Ziel einer Blockadeaktion, die vom Klimacamp „Free the Soil“ ausging (https://freethesoil.org/). Dort wurde gegen die Zerstörung durch die industrielle Landwirtschaft und für eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Landwirtschaft protestiert.

Free The Soil Aktion bei YARA im September 2019

Durch die wirtschaftliche Stärke hat YARA auch enormen politischen Einfluss. In intensiver Lobby-Arbeit – die für ihre Wirtschaftskraft sogar ungewöhnlich groß ist – versucht YARA, die Abhängigkeit von Kunstdüngern und Erdgas-Infrastruktur immer weiter auszubauen. Dafür sitzt YARA in etlichen Gruppen, die sich den Ausbau einer „smart agriculture“ verschrieben haben oder die Landwirtschaft z.B. in Afrika „zukunftssicher“ zu machen und die Versorgung zu sichern (u.a. “New Alliance for Food Security and Nutrition“, „Alliance for a Green Revolution for Africa“). Allein in der EU hat YARA in den vergangenen 10 Jahren knapp 12 Millionen Euro für Lobbyarbeit ausgegeben. Dabei sitzen sie z.B. in der Gas-Koordinierungsgruppe der Kommission der IFIEC Europe, einer einflussreichen Berater*innengruppe. Dort konnte YARA sich sicherlich in eine privilegierte Position für neue Gas-Infrastruktur bringen und den Ausbau weiter vorantreiben.